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Mühlenkreis Minden-Lübbecke

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03.05.2021

Frühjahrsspaziergang im Großen Torfmoor
Ein Besuch im Naturschutzgebiet lohnt sich, doch die Besucher*innen müssen sich an die Vorschriften halten

Natur- und Landschaftsführer Rainer Eschedor ist immer wieder erstaunt bei seinen Wanderungen durchs Naturschutzgebiet Großes Torfmoor: Begegneten ihm vor Corona meist ältere Menschen und zwar am Wochenende, so sind es jetzt alle Altersklassen an jedem Tag der Woche. „Bei schönem Wetter sind häufig alle sieben Parkplätze am Rand des Naturschutzgebiets voll mit Autos.“ Dieser hohe Besucherdruck kann für das sensible Hochmoor mit seiner spezialisierten Fauna und Flora, das nur von Regenwasser gespeist wird und keine Verbindung zum Grundwasser hat, gefährlich werden – nämlich wenn sich Besucher*innen nicht an die für Naturschutzgebiete geltenden Regeln halten. Die wichtigsten lauten: Auf den Wegen bleiben, Hunde an die Leine nehmen, keine Pflanzen entnehmen, keine Tiere stören, Abfall wieder mitnehmen und keine Stöcke ins Wasser oder Moor werfen. Natürlich sind auch motorisierte Fahrzeuge nicht erlaubt.

Rainer Eschedor erlebt immer wieder Episoden, die ihn zum Eingreifen veranlassen. Das darf er, denn er ist nicht nur zertifizierter Natur- und Landschaftsführer, sondern unterstützt den Kreis Minden-Lübbecke auch ehrenamtlich als Naturschutzwacht. Wer im Moor herumstapft oder seinen Hund dort frei laufen lässt, wird von ihm angesprochen, ermahnt und über den Lebensraum „Hochmoor“ informiert. Ein begehrtes Ziel ist das Große Torfmoor mit seiner weiten Landschaft, den Gewässern und Aussichtstürmen mittlerweile für Hochzeitspaare, Konfirmanden und Eltern mit Babys geworden. Häufiger, als ihm lieb ist, erwischt Rainer Eschedor Hobbyfotografen und ihre Modelle abseits der Wege auf den Heide- und Grasflächen, wo sie Pflanzen zertreten und Tiere aufscheuchen.

Dabei geht es dem Hochmoor nach den Hitzejahren 2018, 2019 und 2020 sowieso nicht gut. Kaum Regen und  hohe Verdunstung ließen den Wasserpegel extrem sinken. „Er lag zwischenzeitlich bei bis zu 50 Zentimeter unter dem mooreigenen Wasserstand. Das Defizit ist noch nicht aufgeholt, obwohl sich das Moor dank der letzten beiden niederschlagsreichen Winter gut erholt hat“, sagt Rainer Eschedor. Besonders die Flora habe gelitten: 2018 sei der Sonnentau in der Frühjahrshitze verbrannt, 2019 habe es  kaum Wollgras gegeben, und manche Moorteiche wie der ehemalige Torfstich am Stellerieger Damm fielen so trocken, dass sich Binsen ansiedelten, die sich nun trotz eines ansehnlichen Wasserstands ausbreiten wie Unkraut. Immerhin stecken dort einige Sumpfcallas ihre Blätter aus dem Wasser – ein gutes Zeichen.

Wer in diesen Tagen einen Spaziergang durchs Große Torfmoor macht, kann mit ein wenig Glück Kraniche im Gelände erkennen, Kiebitze, Möwen und Wildgänse beobachten, Brachvogel und Lerchen hören. Die Moorschafe, die die Flächen beweiden und dabei die jungen Birken abknabbern, sind erst ab Mai im Gelände. Verblüht ist bereits die Besen- und die Glockenheide, doch wer die Augen offen hält, entdeckt das Schmalblättrige und das Scheidige Wollgras in voller, wenn auch unscheinbarer Blüte. Umso auffallender sind später die Wattebausch ähnlichen Fruchtstände.

Trotzdem lässt sich das Große Torfmoor in seiner ganzen Vielfalt erleben: Mit der neuen App „Lauschtour“. An 15 Punkten sind per Handy kurze Wortbeiträge, Bilder und Töne abrufbar. Ein Moorfrosch quakt, Kiebitze rufen, Libellen wie die Moosjungfer sind zu sehen. Die „Lauschtour“ ergänzt den 2005 eingeweihten Moorerlebnispfad, der, weil morsch oder nicht genutzt, teilweise zurück gebaut wurde. (www.hille.de)

Bildunterschrift

Blick über das Große Torfmoor mit dem Wiehengebirge im Hintergrund. Fotos: Gemeinde Hille

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Für Kinder ein Vergnügen: Die wieder matschige Matschkuhle. Foto: Gemeinde Hille

 

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Rainer Eschedor an der Wasserpumpe neben der Matschkuhle. Foto: Gemeinde Hille

 

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Dem Sonnentau sind die Hitzesommer überhaupt nicht bekommen. Foto: Rainer Eschedor

 

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Die seltene Sumpfcalla. Foto: Rainer Eschedor

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