Sprungziele
Hauptmenü

Mühlenkreis Minden-Lübbecke

Seiteninhalt

Die Isländer sind das glücklichste Volk der Welt

Kreis Minden-Lübbecke, 27.11.2006

Die Isländer sind das glücklichste Volk der Welt

Nach einer weltweiten Erhebung dürfen sich die Isländer das glücklichste Volk der Erde nennen. Sie gehören zu den kinderreichsten Völkern in Europa. Nirgendwo gibt es mehr Großfamilien mit drei und mehr Kindern, die Isländerinnen fangen mit 25,5 Jahren so früh wie in keinem anderen europäischen Land mit dem Kinderkriegen an. Dies können sie auch unbelastet tun, denn die Insel im Nordatlantik bietet die beste soziale und wirtschaftliche Absicherung für eine Familiengründung. Gut ausgebildete Frauen finden hier entsprechende Arbeitsplätze und qualifizierte Betreuungseinrichtungen für ihre Kinder.

Der Zusammenhang zwischen der Gleichstellung der Geschlechter und der Geburtenrate war Thema in der jüngsten Sitzung des Gleichstellungsausschusses des Kreises Minden-Lübbecke. Steffen Kröhnert vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung verknüpfte kenntnisreich und anschaulich vor den Mitgliedern des Ausschusses sowie einigen Gästen aus Verwaltung und Verbänden statistisches Datenmaterial mit inhaltlichen Zusammenhängen. Er räumte mit einigen in Deutschland gängigen Vorurteilen auf.

So sind zum Beispiel berufstätige Frauen und Kinder kein Widerspruch, sondern es gibt im Gegenteil um so mehr Kinder in den Nationen, in denen die Erwerbsbeteiligung von Frauen besonders hoch ist. Eine der höchsten Geburtenraten in Europa hat Island (1,93 Kinder je Frau; im Vergleich Deutschland: 1,31), wo fast 90 Prozent der Frauen erwerbstätig sind. In Deutschland ist die Erwerbsbeteiligung von Frauen zwar recht hoch, diese wird jedoch "erkauft" mit einer hohen Anzahl kinderloser Frauen - mit geschätzten 30 Prozent der wahrscheinlich höchste Wert weltweit! Auffällig ist auch, dass sich in kaum einem anderen westeuropäischen Land Frauen mit zwei und mehr Kindern derart häufig aus dem Erwerbsleben zurückziehen. Dies deutet darauf hin, dass in Deutschland die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein wesentlich schwieriger zu lösendes Problem darstellt als woanders.

In Deutschland gibt es seit 1998 ein Gesetz, das für Kinder ab drei Jahren eine vierstündige Betreuung pro Tag gewährleisten soll. Dieses Angebot hat bis dato keinen Einfluss auf die Geburtenrate gehabt. Es ist jedoch ein eindeutiger Zusammenhang nachweisbar zwischen dem Anteil unter dreijähriger Kinder, die Betreuungseinrichtungen besuchen, und der Zahl der Kinder der Frau. In vergleichsweise kinderreichen Ländern wie Frankreich besuchen 30, in den Niederlanden 40 und in Schweden sogar 48 Prozent aller Kinder unter drei Jahren eine Kindertagesstätte, während in Deutschland und anderen kinderarmen Ländern wie Italien oder Spanien die Quote unter 10 Prozent liegt. Nur wenn Kleinkinder unter drei Jahren betreut werden können, ermöglicht dies den Frauen, schnell in den Beruf zurückzukehren und die Abwertung ihrer Qualifikation zu vermeiden.

In Deutschland werden nicht alle vorhandenen Kinderwünsche umgesetzt. Auffallend ist, dass Männer sich deutlich seltener Kinder wünschen als Frauen. Dies kann auch damit zusammenhängen, dass nach der im deutschen Denken weit verbreiteten Ideologie des „Alleinernährermodells" viele Männer vor der lebenslangen, auch ökonomischen Verantwortung zurückschrecken. Die Gründe für die Kinderlosigkeit bei Männern sind aber noch weitgehend unerforscht.

Der deutlichste Zusammenhang lässt sich zwischen dem Anteil der Geburten außerhalb der Ehe und der Kinderzahl je Frau feststellen: in Ländern mit einem höheren Anteil außerehelicher Geburten kommen generell mehr Kinder zur Welt. Dies bedeutet: Familie braucht keine Ehe. Selbstverständlich ist es nicht so, dass instabile Beziehungen das Kinderkriegen begünstigen. Die Scheidungshäufigkeit ist vielmehr ein Indikator für die Gleichberechtigung der Geschlechter. In Gesellschaften, in den Männer und Frauen gleichberechtigt im Berufsleben stehen, können sich Frauen aus ökonomischer Sicht eher eine Scheidung leisten. Sie können aber auch danach sicher sein, dass sie finanziell abgesichert leben können. Die scheint einen erheblichen Einfluss auf die Realisierung von Kinderwünschen zu haben.

Deutschland gehört zu den Ländern, die relativ viel Geld für die Förderung von Familien ausgeben. Dies führt aber nicht zu den gewünschten Effekten, da sie Gelder nicht an der richtigen Stelle eingesetzt werden. Was also kann getan werden? Herr Kröhnert nannte konkrete Beispiele: 1. die Gleichbehandlung der Geschlechte auf dem Arbeitsmarkt, 2. die Abschaffung von finanziellen Privilegien für die Ehe, solange sie die Abhängigkeit der Partner voneinander fördern und 3. die Sicherstellung einer Kinderbetreuung ab dem 1ten Lebensjahr. Gesellschaften, in denen die neue Rolle der Frau anerkannt und unterstützt wird, zeichnen sich durch relativ hohe Kinderzahlen aus.

Google Maps-Einbindung
Wofür interessieren Sie sich?
Unser Mühlenkreis
Weitere Kategorien
Unterkünfte
Weitere Kategorien
LandArt-Stationen
Weitere Kategorien
Sigwardsweg
Weitere Kategorien