Sprungziele
Hauptmenü

Mühlenkreis Minden-Lübbecke

Seiteninhalt

Beruf Altenpflege: Kopf, Herz und Hand sind gefordert

Kreis Minden-Lübbecke, 02.08.2006


Mit dem demographischen Wandel und den Veränderungen familiärer Strukturen erlangt der Beruf der Altenpflegerin/des Altenpflegers eine immer größere Bedeutung. Dass damit eine anspruchsvolle, abwechslungsreiche und zukunftsträchtige Tätigkeit verbunden ist, ist häufig nicht bekannt.

Nachfolgend berichtet Frau Brigitte Wischmann von ihren Erfahrungen und Eindrücken, die sie während ihrer Altenpflegeausbildung bisher gemacht hat und wie sie den Beruf der Altenpflegerin/des Altenpflegers in einer älter werdenden Gesellschaft sieht. Frau Wischmann absolviert seit dem 01.10.2004 den praktischen Teil ihrer Altenpflegeausbildung in einem Alten- und Pflegeheim mit 84 Pflegeplätzen im Kreis Minden-Lübbecke.

Seit ca. eineinhalb Jahren absolviere ich meine Ausbildung zur staatlich anerkannten Altenpflegerin am Ev. Fachseminar für Altenpflege der Diakonissenanstalt Salem-Köslin in Minden. Ich gehöre somit zu denjenigen Auszubildenden, die nach dem seit 2003 geltenden bundeseinheitlichen Altenpflegegesetz ausgebildet werden. Meine bisherigen Ausbildungs- und Berufserfahrungen möchte ich im Folgenden wiedergeben.

Durch das neue, bundesweit einheitliche Ausbildungssystem ist die Altenpflegeausbildung für uns Auszubildende transparenter geworden: Der Unterricht ist nicht mehr nach Schulfächern, sondern nach so genannten "Lernbereichen" gegliedert, die wiederum in "Lernfelder" und "Teillernfelder" ausdifferenziert sind. Durch dieses pädagogische Konzept sollen Pflegesituationen in einem umfassenden, ganzheitlichen Kontext betrachtet und erarbeitet werden. Diese besondere Lernform befähigt mich dazu, den Menschen als Körper-Geist-Seele-Einheit zu sehen und nicht nur seine Defizite bei der Verrichtung der täglichen Dinge zu beachten. Ich habe gelernt die Fähigkeiten und Fertigkeiten eines alten Menschen in den Blick zu nehmen; dadurch habe ich ein viel positiveres Bild von "den Alten" bekommen.

Im Vordergrund der dreijährigen Ausbildung steht darüber hinaus die Arbeit am und mit alten Menschen in einer stationären oder ambulanten Einrichtung. In den drei Ausbildungsjahren hat man im Wechsel theoretischen Unterricht und praktische Einsätze, wobei die praktischen Einsätze nicht nur in der Trägereinrichtung absolviert werden, sondern auch in der Psychiatrie, im Krankenhaus und beim ambulanten Dienst bzw. bei einer stationären Einrichtung. Durch diese Einsätze bekommt man einen Einblick in die Aufgaben anderer Berufsgruppen, wobei ich sagen muss, dass bei uns in der Altenpflege die "Pflege" - unsere eigentliche Domäne - im Vordergrund steht und nicht die "Krankheit". Zwar muss sich auch eine Altenpflegerin mit Krankheiten und ihren Ursachen beschäftigen, um pflegerische Maßnahmen ableiten zu können. Das aber ist nur ein kleiner Teil unserer umfangreichen und intensiven Ausbildung, die keineswegs leicht ist, sondern ein harter Weg, auf dem Leistung abgerufen werden muss.

Deshalb sollte diese Ausbildung nicht "der letzte Ausweg" sein, damit "man überhaupt eine Ausbildung macht". Ich stehe hinter meinem Beruf und versuche, eine Lobby für alte Menschen zu schaffen, denn das Ansehen alter Menschen ist in der Gesellschaft mehr und mehr gesunken. Wir sollten alte Menschen nicht als Belastung sehen, sondern als eine Bereicherung für die Gesellschaft. Der alte Mensch hat mehr Respekt verdient und diese sensible Betrachtung erfährt man eben auch durch eine gute Ausbildung.

Grundvoraussetzung ist meiner Meinung nach jedoch immer ein lebendiges Interesse an dem Menschen, der mir gegenüber steht: ein Interesse an seiner Person und an seiner Geschichte, die ihn hat so werden lassen, wie er ist.

Leider konnte ich bisher feststellen, dass viele junge Menschen ein eher klischeehaftes Bild der Altenpflege vor Augen haben: Bei einer Berufsinformationsveranstaltung habe ich versucht, für meinen verantwortungsvollen Beruf zu werben. Aber die Leute gehen vorbei, weil sie eine sehr eingeschränkte Vorstellung von den Tätigkeiten einer examinierten Altenpflegerin haben. Dabei umfasst Altenpflege wesentlich mehr als die oft zitierten "Toilettengänge" - Altenpflege ist die umfassende Pflege, Begleitung und Betreuung alter Menschen; eine Aufgabe, die mich ganz (mit Kopf, Herz und Hand) fordert. Nicht umsonst ist die Fülle an Fort- und Weiterbildungen, die ich im Anschluss an meine Ausbildung absolvieren kann, so vielfältig: Wundmanagement, Fachkraft für gerontopsychiatrische Pflege, Altenberatung, Praxisanleitung, Heim- oder Pflegedienstleitung sind nur einige Beispiele dafür, wie ich meinen beruflichen Horizont erweitern kann.

Meine Ausbildung im Fachseminar für Altenpflege und in meiner Trägereinrichtung hilft, die Qualität der Pflege zu sichern. Darüber hinaus ist Altenpflege ein zukunftsorientierter Beruf, in dem Innovationen gefragt sind und nicht Stagnation. Wir brauchen in einem Land, in dem es in Zukunft mehr alte als junge Menschen gibt, qualifiziertes Pflegefachpersonal in allen Bereichen der Altenhilfe.

Für weitere Informationen zur Altenpflegeausbildung im Kreis Minden-Lübbecke stehen zur Verfügung:

  • beim Ev. Fachseminar für Altenpflege Salem-Köslin: Herr Michael Haas, Tel. (0571) 9552-150
  • beim Kreis Minden-Lübbecke (Sozialamt): Herr Klaus Marschall, Tel. (0571) 807-2287
Google Maps-Einbindung
Wofür interessieren Sie sich?
Unser Mühlenkreis
Weitere Kategorien
Unterkünfte
Weitere Kategorien
LandArt-Stationen
Weitere Kategorien
Sigwardsweg
Weitere Kategorien