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Mühlenkreis Minden-Lübbecke

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Barrierefrei und nicht allein - Altersgerechte Wohn- und Versorgungskonzepte für den Kreis Minden-Lübbecke - Fachtagung der Kommunalen Gesundheits- und Pflegekonferenz

Kreis Minden-Lübbecke, 23.05.2006

 
Mit über 160 interessierten Personen nahezu voll besetzt war der VIP-Raum der Kampa-Halle am 17. Mai 2006 bei der Fachtagung "Altersgerechte Wohnkonzepte: Gestaltungsmöglichkeiten im Kreis Minden-Lübbecke", zu der die Kommunale Gesundheits- und Pflegekonferenz des Kreises eingeladen hatte.

Die große Resonanz macht deutlich, dass dieses Thema für kommunale Planer und Architekten, für die Wohnungswirtschaft, soziale Träger und die Kommunalpolitik immer bedeutsamer wird. Der Anteil älterer Menschen im Kreis Minden-Lübbecke steigt. Im Alter so lange wie möglich in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus leben zu können ist der Wunsch der meisten Menschen. Der Bedarf an entsprechenden Wohn- und Versorgungsformen wird demzufolge immer größer.

In ihrem Grußwort betonte Kreisdirektorin Cornelia Schöder, dass "Wohnen" eines der zentralen Themen zukunftsorientierter Pflege- und Altenpolitik ist. Leitbild kommunaler Altenarbeit und Wohnpolitik muss sein, Wohnung, Wohnumfeld und wohnortnahe Dienstleistungen so zu gestalten, dass ältere Menschen am Leben in der Gemeinschaft teilnehmen und auch bei Hilfe- und Pflegebedürftigkeit so lange wie möglich selbständig und selbstbestimmt in ihrer eigenen Wohnung leben können. Damit dies gelingen kann, bedarf es nach Überzeugung der Kreisdirektorin neuer Formen der Zusammenarbeit, wozu die Fachtagung einen Impuls geben soll.

Im Anschluss daran informierte zunächst Birgit Ottensmeier von der Bertelsmann-Stiftung über den demografischen Wandel und das Leben im Alter. Frau Ottensmeier verwies dabei u. a. auf die notwendige Differenzierung von Altersbildern, die zentrale Bedeutung kleinräumiger Verknüpfungen verschiedener Wohn- und Betreuungsformen im Wohnquartier sowie die Notwendigkeit, auch die Potentiale des Alters zu erkennen und Senioren an der Entwicklung von differenzierten Wohnangeboten zu beteiligen.

Markus Leßmann vom nordrhein-westfälischen Landkreistag ging in seinem Vortrag auf die mit dem demografischen Wandel verbundenen Herausforderungen für die Kommunen ein. Herr Leßmann skizzierte, dass mit dem demografischen Wandel die Anpassung der gesamten kommunalen Infrastruktur unausweichlich verbunden ist. Als Instrumente einer solchen Anpassung nannte er u. a. die Förderung von Netzwerken (insbesondere im ambulanten Bereich), die Schaffung eines attraktiven Wohnumfeldes für Senioren, die Zentrumsstärkung durch Wirtschaftsförderung und die kommunale Pflegeplanung der Kreise. Wenngleich vieles der Markt lösen wird, so bedarf es nach Auffassung von Herrn Leßmann doch einer kommunalen Pflegeplanung, in deren Rahmen neben der pflegerischen Infrastruktur insbesondere auch der Wohnungsbestand entsprechend optimiert werden soll.

"Silberdienste - Wohnortnahe Dienstleistungen für ältere Menschen", so lautet der Titel eines Projekts zum Aufbau vernetzter quartiersbezogener Dienstleistungsangebote in NRW, das Brigitte Pawlik von der LEG Arbeitsmarkt- und Strukturentwicklung GmbH vorstellte. Das Gemeinschaftsprojekt von Wohnungsunternehmen, Kommunen, Forschungs- und Beratungseinrichtungen sowie verschiedenen arbeitsmarktnahen Einrichtungen wird über das EU-Programm EQUAL gefördert und will dazu beitragen, tragfähige Strukturen für personen-, haushalts- und unternehmensbezogene Dienstleistungen in ausgewählten Quartieren in NRW aufzubauen. Aus der bisherigen Projekterfahrung wusste Frau Pawlik zu berichten, dass das Innovative manchmal "nur" in der intelligenten Verknüpfung von bereits Vorhandenem liegt (Informationen zum Projekt auch im Internet unter www.silberdienste.de).

Beate Oberschür vom Netzwerk Ambulanter Dienste im Kreis Minden-Lübbecke (NADel e.V.) ging in ihrem Vortrag auf die Möglichkeiten ambulanter Pflegedienste ein. Ihrer Ansicht nach könnte die Zahl der Heimaufenthalte um mindestens 65% gesenkt werden, wenn mehr ältere Menschen wüssten, was ambulante Dienste alles leisten können. Weiterhin sprach sie sich deutlich für eine größere politische Anerkennung ambulanter Dienste und einen erheblichen Bürokratieabbau aus, damit der Grundsatz "ambulant vor stationär" und alternative ambulante Wohnkonzepte endlich realisiert werden können. Auf Seiten der Pflegedienste gilt es nach Ansicht von Frau Oberschür, Konkurrenzen hintanzustellen und Kompetenzen zu bündeln - dies nicht zuletzt auch, "um der Schwarzarbeit in der häuslichen Pflege den Kampf anzusagen".

Die Mittagspause konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fachtagung u. a. dafür nutzen, sich anhand einer Ausstellung über bereits bestehende alternative Wohn- und Versorgungsprojekte sowie neue Kooperationen zwischen Wohnungswirtschaft und sozialen Trägern im Kreis Minden-Lübbecke zu informieren.

Zu Beginn des Nachmittags warf Dieter Pohl aus Sicht der kommunalen Seniorenvertretungen im Kreis Minden-Lübbecke einen Blick auf generationengerechtes Wohnen am Beispiel verschiedener Wohnanlagen. Neben einer barrierefreien Wohnraumgestaltung unterstrich er ebenso die Bedeutung des Wohnumfeldes: Bushaltestellen, Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf sowie Ärzte und Apotheken müssen in unmittelbarer Nähe vorhanden sein. Die Beteiligung von Senioren an der Weiterentwicklung der kommunalen Infrastruktur, insbesondere von entsprechenden Wohnformen, ist nach Überzeugung von Herrn Pohl unverzichtbar. Die kommunalen Seniorenbeiräte stehen hierfür als Gesprächspartner in den Städten und Gemeinden zur Verfügung.

Anschließend referierte Dr. Volker Becker vom Handwerkszentrum -Wohnen im Alter- der Handwerkskammer Düsseldorf über seniorengerechtes Bauen und Wohnen als einen Zukunftsmarkt. Das Handwerk hat sich nach Auffassung von Herrn Dr. Becker bislang eher unzureichend auf die Zielgruppe der älteren Menschen ausgerichtet. Erst seit einiger Zeit stellen sich immer mehr einzelne Handwerksbetriebe intensiv auf ältere Menschen und Menschen mit temporären oder permanenten gesundheitlichen Einschränkungen ein. Insbesondere in den baunahen Gewerken kann das Handwerk umfangreiche Leistungen zur Wohnraumanpassung oder zur barrierefreien und altersgerechten Ausgestaltung von Neubauten erbringen. Nach Einschätzung von Herrn Dr. Becker könnte das Handwerk stark von strategischen Allianzen profitieren, indem es Kontakte zu Krankenhäusern, sozialen Einrichtungen, Pflegediensten und Wohnberatungsstellen aufbaut und pflegt. Diese stellen wichtige potenzielle Multiplikatoren dar, um die Leistungsfähigkeit des Handwerks insgesamt in die Öffentlichkeit zu tragen und - im wettbewerbsrechtlich zulässigen Rahmen - selber auf kompetente Anbieter zurückzugreifen bzw. diese zu benennen (weitere Informationen hierzu auch im Internet unter www.wia-handwerk.de).

Im weiteren Verlauf der Fachtagung wurden einige Beispiele von bereits bestehenden Kooperationen zwischen Wohnungsunternehmen und sozialen Trägern im Kreis Minden-Lübbecke vorgestellt, die dazu beitragen, selbstbestimmtes Leben im Alter zu ermöglichen: Die GBSL Bau- und Siedlungsgenossenschaft Lübbecke mit dem Paritätischen Verein für freie Sozialarbeit, die Aufbaugemeinschaft Espelkamp mit dem Ludwig-Steil-Hof und die GSW Genossenschaft für Siedlungsbau und Wohnen Minden mit dem AWO Kreisverband Minden-Lübbecke.

Theresia Brechmann berichtete am Ende der Fachtagung über den Verein "Alt und Jung Bielefeld" als ein Beispiel aus Ostwestfalen für Wohnen mit Versorgungssicherheit im Stadtviertel. Integratives Wohnen von jungen und alten Menschen, von Menschen mit und ohne Behinderungen, von Menschen mit geringem und hohem Hilfebedarf ist der Leitgedanke dieser Wohnprojekte.

Als zentrales Ergebnis der Fachtagung ist festzuhalten, dass, um die mit dem demografischen Wandel verbundenen Herausforderungen bewältigen zu können, auch das Wohnen stärker in das Zentrum der Betrachtung rücken muss. Dabei ist zu berücksichtigen, dass auch der beste barrierefreie Wohnungsbau nichts nützt, wenn ältere Menschen nicht im näheren Wohnumfeld ihren täglichen Bedarf selbst decken und soziale Nähe erleben können.

Die Thesenpapiere und Vorträge der Referenten können im Internet unter www.minden-luebbecke.de, dort unter der Rubrik "Gesundheit und Soziales" -> "Sozialamt" -> "Sonstige Hilfen" -> "Kommunale Gesundheits- und Pflegekonferenz" unter der Überschrift "Aktuelles", abgerufen werden.

Ansprechpartner zur Veranstaltung:
Herr Dr. Christian Adam, Tel. (0571) 807-2288, E-Mail: c.adam@minden-luebbecke.de
Herr Klaus Marschall, Tel. (0571) 807-2287, E-Mail: k.marschall@minden-luebbecke.de

Die Referenten der Fachtagung mit den beiden Moderatoren von der Fachhochschule Bielefeld: Frau Prof. Dr. Klemme vom Fachbereich Pflege und Gesundheit und Herr Prof.Dr.-Ing. Uffelmann vom Fachbereich Architektur und Bauingenieurwesen.

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